Freiheit, Softwaremonopole und Freie Software

Freiheit und Demokratie sind durch proprietäre Software generell und durch Microsoft im speziellen bedroht. Dieser Zusammenhang ist nicht ohne weiteres klar. Der folgende Artikel erläutert die politische Dimension proprietärer Software und Microsoft's Softwaremonopol. Ferner wird gezeigt, wie die Freie Software Bewegung mit GNU/Linux dazu beitragen wird, die vorliegende Situation zu ändern und die Freiheit der Individuen, Firmen und Länder wiederherzustellen. Es werden Anregungen zu Aktionen für Individuen, Softwareentwickler oder IT Manager gegeben, um ihre Freiheit wieder zu erlangen.

Evolution und Monopol

Die Evolution auf dem Gebiet der Technik folgt oft folgendem Muster: ein vorliegendes technisches Problem, eine Periode der Entwicklung, mehrere konkurrierende Lösungen, Dominanz einer proprietären Lösung, seine Monopolstellung und Ausbeutung, Fall des Monopols und schließlich Offenlegung der verwendeten Technologie. Die befreite Technologie wird dann zum Stand der Technik und stellt die Basis für die weitere Entwicklung dar. Ein neuer Zyklus kann beginnen zum Aufstieg auf immer höhere Entwicklungsniveaus.

Was die technologische Entwicklung von Software betrifft, so finden sich zur Zeit viele Monopole in dieser Industriesparte. Diese Monopole werden duch Mechanismen gehalten, die die Softwarekunden in ein Produkt quasi einschließen und sie ihrer Wahlfreiheit berauben. Dies ist möglich indem das in Source code ausgedrückte Wissen unzugänglich und geschlossen gehalten wird. Allgemein wird diese Art von Software proprietäre Software genannt, oder etwas korrekter "lock-in" Software. Der wohl bekannteste Monopolist und Vertreter solcher Software ist Microsoft.

Microsoft's Software Monopol

Microsoft hält die Evolution in einer Monopolphase und setzt viele Aktivitäten, um diesen Status Quo zu halten. Hersteller von Computerbestandteilen, zum Beispiel, werden anscheinend dazu aufgefordert, Produkte zu erzeugen, die ausschließlich mit Microsoft's Software kompatibel sind. Computerhersteller liefern ihre Computer mit Microsoft's Betriebsystemen aus, wodurch der Preis des Betriebssystems verschleiert wird. Zudem korrumpiert Microsoft Firmen und ganze Länder durch finanzielle Unterstützungen, entweder durch Bargeld, oder durch sogenannte Geschenke wie etwa Computer für Schulen, vorinstalliert mit Microsoft's Betriebs- und Anwendersoftware. Es ist eine Schande dass die Firma sogar damit Erfolg hat, diese Werbe- und Steuervermeidungsaktionen als humanitäre Aktivität zu verkaufen, und noch schlimmer: Leute fallen darauf hinein.

Die Politik von Microsoft hält aber nicht beim Betriebssytem. Dateiformate, die in Microsoft Software eingesetzt werden, ändern sich regelmäßig im Laufe der Zeit und werden proprietär gehalten. Microsoft Dokumente können nur mit einer proprietären Software bearbeitet werden. Da weder der Quellcode der Programme verfügbar ist, noch das Dateiformat bekannt ist, wird ein Benutzer alte Dokumente nicht mehr lesen können, wenn neuere Softwareversionen das alte Format nicht mehr unterstützen. Tausende Dokumente können in Zukunft nicht mehr gelesen werden!

Alles in allem, das Ergebnis ist ein Teufelskreis, der die Benutzer gefangen hält. Die Benutzer sind Geiseln in einem Zyklus, eingesetzt durch Microsoft: Updates des Betriebssystemes, Upgrade der Anwendersoftware, und schließlich teure Hardware Upgrades von Computer und seiner Peripherie. Microsoft missbraucht diese Situation durch sein Lizenzschema, ein Umstand, der eher an Steuern oder Zoll denken läßt, an den Wegzoll von Raubrittern.

Die soziale und politische Dimension proprietärer Software und Softwaremonopole

Verallgemeinert man den Fall Microsoft, so ist zu erkennen dass die Softwareentwicklung in einer Sackgasse steckt. Glücklicherweise beginnen die Softwarebenutzer jetzt sich der politischen und sozialen Dimensionen von proprietärer Software und Softwaremonopole bewusst zu werden. Was ist nun diese politische Dimensionen?

Jeder vernünftige Mensch würde eingestehen, dass Resourcen wie etwa die Wasserversorgung, die Stromversorgung, die Presse oder das Telephon nicht von einer einzigen globalen Einheit kontrolliert werden dürfen. Deswegen ist in einem demokratischen Staat oder Land Macht immer verteilt: gegenseitige Kontrollmechanismen verhindern Machtkonzentration und Missbrauch, vor allem wenn es um essentielle Resourcen geht. Es ist aber weniger offensichtlich, dass ein Computerbetriebssystem und die Anwendersoftware eine ähnliche kritische Resource darstellen, einen neuralgischen Punkt in einer modernen Welt, die auf Informationsaustausch basiert. Warum?

Computerbetriebsysteme und Anwendersoftware bearbeiten private, öffentliche und Firmeninformationen. Diese Informationsverarbeitung ist heutzutage omnipresent, in Banken, Krankenanstalten, Regierungen, etc. In einem proprietären Betriebsystem kann nun der Hersteller unter anderem Hintertüren einbauen. Durch diese kann er den Informationsfluss überwachen, kontrollieren und beeinflussen, ohne bemerkt zu werden. Folglich wird dann derjenige die Macht haben, der den Informationsfluss beherrscht.

Man denke zum Beispiel an die Berechnung von Wahlergebnissen mit einer proprietären Software, womit die Berechnung selbst nicht verifiziert werden kann. Man kann der Phantasie freien Lauf lassen um sich allerhand Szenarien zu überlegen, man denke an Kreditkarteninformationen, Daten über Staatsbürger an öffentlichen und Firmencomputern, private Daten am persönlichen Heimcomputer, alle k önnen unbemerkt überwacht werden! Angesichts des Monopols von Microsoft über Betriebssysteme und Anwendersoftware, erscheint die ökonomische Unabhängigkeit oder auch die Landesverteidigung von freien Ländern lächerlich. Es ist zu hoffen, dass in diesem Lichte die soziale und politische Dimension proprietärer Software augenscheinlich wird.

Von freien Standards zu freier Software

Zugegebener Maßen wäre es bequem, ein einziges Betriebssystem zu haben, oder eine einzige Benutzeroberfläche, sowie einen einzigen Standard für Dateiformate. Es ist angenehm, Standards auf vielen Gebieten zu haben, vor allem, wenn es um den Austausch von Information geht. Denn es ist letzteres, was der Benutzer eigentlich will, Standards.

Wenn kein Standard existiert, entwickeln sich oft proprietäre Technologien zu weit verbreiteten Technologien und werden sogenannte de-facto Standards. Dies ist noch kein wirklicher Standard, sondern lediglich ein Monopol. Ein echter Standard wird nicht von einer einzigen Einheit kontrolliert. Er ist immer das Ergebnis eines breiten, firmen- und nationenübergreifenden Konsens, oder ein de-facto Standard, dessen Kontrolle vom Urheber aufgebeben wurde. In diesem Sinne könnte ein einziges Betriebsystem und eine Anwendersoftware nur dann als Standard akzeptiert werden, wenn die verwendete Technologie frei ist, das heißt, sie gehört der Öffentlichkeit. Auch Dokumentformate müssen frei sein, das heißt, frei und unter öffentlicher Kontrolle. Der Benutzer kann dann die für seine Bedürfnisse beste Implementierung wählen.

Geht man einen Schritt weiter, gelangt man zu einem neuen Paradigma: Freie Software. Es ist hier wichtig die Bedeutung des Begriffes "frei" zu verstehen, denn oft wird er falsch verstanden, so wie in "Freibier". Freie Software bedeutet überhaupt nicht, dass sie gratis sein soll oder sein muss. Vielmehr meint Freie Software, dass dem Benutzer die Freiheit gegeben wird, die Software zu verwenden, zu ändern, zu verbessern, zu verteilen und zu studieren. Diese Freiheit wird durch eine passende Lizenz gewährleistet. Konsequenterweise muss der Quelltext verfügbar, zugänglich und offen sein. Open source ist also eine Konsequenz des Freien Software Paradigmas, und keine hinreichende Bedingung. Nichtsdestotrotz bleibt aber das Urheberrecht über den hinzugefügtem Code erhalten. Wenn Nationen, Firmen und Individuen dieses Paradigma übernehmen würden, könnten sie ihre Freiheit wiedererlangen. Bauten Firmen ihr Geschäft auf das Modell der freien Software auf, dann würde die technologische Entwicklung enorm beschleunigt werden, denn in jedem Moment kann eine Firma Software auf vorhergehende Errungenschaften aufbauen und die Entwicklung an gemeinnuetzigen Softwareelementen gemeinsam erfolgen.

Wissen zu teilen und zugänglich zu machen ist eine gängige Praxis in der Wissenschaft. Ein einfaches Beispiel kommt aus der Mathematik, der Satz von Pythagoras: A2 + B2 = C2. Dies ist freie Technologie, obwohl es ein paar tausend Jahre zuvor eben auch nicht der Fall war. Diese Information ist in Bibliotheken gespeichert und ist öffentlich zugänglich. Wenn jemand eine Anwendung braucht, kann eine Lösung als Service durch einen Dienstleister angeboten werden. Dasselbe sollte für Software gelten; sie sollte als Service und nicht als Produkt im herkömmlichen, materiellen Sinne verstanden werden. Software als Service ist eine unmittelbare Folge des freien Software Paradigmas und wurde von großen Firmen wie IBM, SUN und HP bereits realisiert.

Der Weg zur freien Software

Um die Situation "proprietäre Software" zu lösen, könnten Firmen auf die Kontrolle über ihre Software verzichten, sie frei machen und eine Servicefirma oder ein Hardwarehersteller werden. Was Microsoft betrifft, so könnte man auf diese Firma ganz einfach verzichten. Im Internet findet man viele freie Software Pakete um das Microsoft Softwarespektrum zu ersetzen:

Mittlerweile haben die meisten freien Softwarepakete Reife und Komplettheit erreicht, sodass sie für viele Länder und Firmen interessant sind und in Betracht gezogen werden können. Somit kann bereits jetzt eine proprietäre Lösung, die auf MS Windows, MS Outlook und MS Office besteht, völlig durch eine freie Lösung erzetzt werden, nämlich durch GNU/Linux, beziehungsweise durch Evolution und OpenOffice. Die Lizengebühren aller Institutionen, die bis dato an Microsoft quasi als Steuer abgeliefert werden oder wurden, könnten dann für die Entwicklung der lokaler Wirtschaft und für die Anpassung freier Software an lokale Gegebenheiten verwendet werden. Eine Berechnung der nationalen Handelsbilanz wird helfen, diese Situation zu verstehen. China hat bereits reagiert, Peru ebenso. Sie wenden GNU/Linux auf einem nationalem Masstab an. Denn Freie Software ist vor allem für Entwicklungsländer leicht zugänglich und erschwinglich.

Füllen eines Spaltes

Wie kann nun Freiheit erlangt werden? Auf der einen Seite steht die internationale Gemeinschaft der Freien Software mit ihren tausenden Projekten und Paketen, auf der anderen Seite gibt es Individuen, Systemadministratoren und EDV-Manager, die von der freien Software nicht viel wissen oder verstehen. Sie sind an proprietäre Geschäftspraktiken gewohnt, sowie für System und Bürosoftware unnotwendigerweise zu zahlen. Aus diesem Grund muss eine Brücke geschlagen werden zwischen der Welt der Entwickler von freier Software und der Welt der Benutzer. Mehrere Aktivitäten können dabei helfen:

Erklären Sie Ihren Nationalfeiertag oder Ihren Tag der nationalen Unabhängigkeit zu Ihrem persönlichen Unabhängigkeitstag von proprietärer Last, zu einem Tag der Freien Software. Tragen Sie dazu, bei das 21. Jhdt zu dem Jahrhundert zu machen, in dem Freie Software sich entwickelt hat.

Informationen über freie Software kann am website der Free Software Foundation, Informationen über Linux auf www.linux.org.